ISO 56002 – Einführung und Nutzen kompakt erklärt

Im Juli 2019 veröffentlichte die ISO (International Organization for Standardization) die ISO 56002, den ersten internationalen Standard für Innovationsmanagement und ein Innovationsmanagement-System. Unternehmen haben dazu viele Fragen: Was beinhaltet der Standard? Ist ISO 56002 verbindlich? Welche Vorteile bringt die Implementierung eines Innovationsmanagementsystems, das diesem Standard folgt? In diesem Artikel finden Sie einen kompletten Ratgeber rund um den neuen Standard.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ISO 56002?

Die Abbildung zeigt ein Symbol für die Definition von ISO 56002, dem internationalen ISO-Standard für Innovationsmanagement.ISO 56002 ist ein internationaler Standard für Innovationsmanagement, der Unternehmen dabei unterstützt, ihre Innovationsaktivitäten effizienter und effektiver durchzuführen.

ISO 56002 ist nicht verpflichtend, sondern beruht auf Prinzipien des Innovationsmanagements. Diese unterstützen Unternehmen dabei,

  • ihre Innovationsvision zu entwickeln,
  • die Vision in eine Innovationsstrategie mit Richtlinien und Zielen zu überführen, sowie
  • die Unterstützung und Prozesse zu etablieren, um die Ziele zu erreichen.

ISO 56002 ist vergleichbar mit anderen Managementsystemen wie ISO 9001:2015 (Qualitätsmanagement): Durch klare Ziele, etablierte und dokumentierte Prozesse, kontinuierliche Verbesserung, Wissensmanagement, Prozessmanagement und Erfolgsmessung können Ziele nachhaltiger erreicht werden, als wenn die Umsetzung nur auf den Schultern von einzelnen Individuen lastet.

Warum eine eigene Norm für Innovationsmanagement?

Innovation ist mit höheren Risiken verbunden als die klassische Unternehmensführung. Innovationsmanagement ist nur dann erfolgreich, wenn Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen regelmäßig Bestehendes hinterfragen, innovative Ideen entwickeln und diese zielgerichtet umsetzen. Dieses erfordert eine Reihe von Fähigkeiten, die Innovationsmanagement speziell machen. In der Einleitung heißt es dazu in der ISO 56002: „Die Innovationsfähigkeit eines Unternehmens beinhaltet die Fähigkeit

  • sich verändernde Bedingungen im eigenen Markt zu verstehen und darauf zu reagieren,
  • neue Gelegenheiten und Chancen zu verfolgen,
  • das Wissen und die Kreativität von Menschen innerhalb der Organisation zu nutzen sowie
  • mit Externen in Form von Kollaboration neue Ideen, Konzepte und Strategien zu entwickeln.“

Diese besonderen Fähigkeiten, die ein Unternehmen für erfolgreiches Innovationsmanagement benötigt, machten die Schaffung einer neuen Norm notwendig. ISO 56002 lehnt sich in Teilen an das Qualitätsmanagement nach ISO 9002:2015. In beiden Dokumenten wird beispielsweise der PDCA Cycle erwähnt. Doch werden die speziellen Anforderungen des Innovationsmanagements durch bestehende Normen des Qualitätsmanagements nicht abgedeckt.

Die Abbildung zeigt einen Weg, sich die Konformität des Innovationsmanagement-Systems nach ISO Norm 56002 durch eine Analyse zertifizieren zu lassen.

Die Analyse der Innovationsfähigkeit und Innovationskultur gehört zu den zentralen Prinzipien der ISO 56002.

Vorteile eines Innovationsmanagementsystems nach ISO 56002

Ein Innovationsmanagementsystem nach ISO 56002 bietet für Unternehmen mittel- bis langfristige Vorteile hinsichtlich ihrer künftigen Wettbewerbsfähigkeit. Auch das ist ein wesentlicher Unterschied zur ISO 9002:2015, deren Vorteile sich zum Teil bereits sehr kurzfristig auswirken und die im internationalen Wettbewerb als ein Zertifikat für Qualitätsmanagement anerkannt ist.

  • Mit der Etablierung eines Innovationsmanagement-Systems nach ISO 56002 können Unternehmen gegenüber dem Markt zeigen, dass sie eine Strategie zum langfristigen Wachstum durch Innovation implementiert haben.
  • Sie demonstrieren Kunden*innen, dass sich diese auf die langfristige Innovationskraft eines Zulieferers verlassen können.
  • Gegenüber Aktionären*innen und Investoren*innen zeigen sie, dass das System innerhalb ihres Unternehmens darauf ausgerichtet ist, langfristig Wettbewerbsvorteile gegenüber Mitbewerbern zu erlangen und durch Innovation zu verteidigen.

In der Einführung zur Norm benennt die ISO eine Reihe von Vorteilen, die nachfolgend aufgelistet sind.

  • Vorteil 1: Wachsende Fähigkeit, um Unsicherheit zu managen

Märkte verändern sich schneller als vor wenigen Jahren. Zusätzlich wächst die Unsicherheit über künftige Marktentwicklungen, die Auswirkungen neuer Technologien und die Bedürfnisse von Kunden*innen. Die Implementierung eines Innovationsmanagement-Systems nach ISO 56002 unterstützt Unternehmen dabei, die wachsende Unsicherheit besser zu managen.

  • Vorteil 2: Höheres Wachstum, Einnahmen, Profitabilität und Wettbewerbsfähigkeit

Zahlreiche wissenschaftliche Studien haben klar belegt, dass Unternehmen mit einer klaren Innovationsstrategie, einem effektiven Innovationsmanagement und einer hohen Innovationsfähigkeit gegenüber Mitbewerbern Vorteile haben. Sie wachsen überdurchschnittlich stark und erzielen höhere Gewinne als andere. Durch die ständige Weiterentwicklung ihrer Produkte, Dienstleistungen und Prozesse sind sie wettbewerbsfähiger als andere.

  • Vorteil 3: Geringere Kosten und Abfallmengen, steigende Produktivität und Ressourceneffizienz

Erfolgreiches Innovationsmanagement setzt sich gleichermaßen mit der Innovation interner Strukturen als auch der Innovationskraft im Markt auseinander. Das in vielen Unternehmen als Prozessoptimierung, kontinuierliche Verbesserung, Prozessinnovation oder organisatorische Innovation bezeichnete Vorgehen sorgt dafür, dass Unternehmen das gleiche oder sogar ein besseres Ergebnis mit dauerhaft geringeren Kosten erzielen können. Methoden hierzu sind das Ideenmanagement oder der kontinuierliche Verbesserungsprozess.

  • Vorteil 4: Verbesserte Nachhaltigkeit und Resilienz

Unternehmen mit einem effektiven Innovationsmanagement können Neuerungen nachhaltiger umsetzen als andere, die keine definierten Innovationsstrategien haben, sondern bei denen Innovationen primär durch das Engagement Einzelner getrieben werden.

Der Grundgedanke von ISO 56002 besteht darin, ein System zu etablieren, das die dauerhafte Entwicklung von Neuerungen ermöglicht. Dies bringt auch eine erhöhte Resilienz des Unternehmens mit sich: Die Fähigkeit, nach Fehlschlägen neu anzufangen und diese zu überwinden.

  • Vorteil 5: Erhöhte Zufriedenheit von Nutzern*innen, Kunden*innen, Bürgern*innen und anderen

Unternehmen, die ihre Angebote kontinuierlich an bestehenden oder künftigen Bedürfnissen Externen (Kunden*innen, Bürger*innen, Aktionäre*innen etc.) ausrichten, erzielen in diesen jeweiligen Zielgruppen eine höhere Kundenorientierung als solche, die ihre Entwicklungen an Bedürfnissen vorbei vorantreiben. Entsprechend sieht das Innovationsmanagementsystem nach ISO 56002 eine Kooperation mit Kunden*innen und Externen vor.

  • Vorteil 6: Nachhaltige Erneuerung des Angebotsportfolios

In Zeiten sich stark verändernder Märkte müssen Unternehmen ihre Angebote gegenüber dem Markt immer wieder überdenken und überarbeiten. Dies kann auf einer zufälligen Basis – durch Einfälle und Ideen Einzelner – erfolgen oder durch ein nachhaltiges System.

Die Einführung eines Innovationsmanagementsystems nach ISO 56002 sichert eine nachhaltige Erneuerung des Angebotsportfolios und sichert dadurch die Wettbewerbsfähigkeit am Markt.

  • Vorteil 7: Engagierte und proaktiv handelnde Belegschaft

Bei der Implementierung eines Innovationsmanagement-Systems nach ISO 56002 steht die Entwicklung der Innovationskultur besonders stark im Fokus. Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, die Chancen erkennen, Ideen entwickeln und umsetzen sind für ein Unternehmen eine nicht zu unterschätzende Ressource. Die Verfasser der ISO-Norm empfehlen den Aufbau einer Innovationskultur durch sehr konkrete Maßnahmen.

  • Vorteil 8: Größere Attraktivität für Externe, Kollaborationspartner*innen und Investoren*innen

Die ISO-Norm 56002 demonstriert, dass das Unternehmen ein professionelles Innovationsmanagement-System etabliert hat, das darauf ausgerichtet ist, die Organisation langfristig innovationsfähig zu halten.

  • Stellen Sie sich vor, Sie suchen nach einem Unternehmen, mit dem Sie gemeinsam innovative Projekte vorantreiben wollen.
  • Oder Sie sind Investor*in und überlegen, in welche Unternehmen mit langfristigem Wachstumspotential Sie investieren sollen.

Wahrscheinlich würden Sie sich in beiden Fällen für das Unternehmen interessieren, das diesen Richtlinien folgt.

Genau das ist einer der Vorteile bei Implementierung eines Innovationsmanagement-Systems nach ISO 56002. Unternehmen werden attraktiver für externe Partner*innen, Entwicklungspartner und Investoren*innen.

  • Vorteil 9: Erhöhtes Ansehen und höhere Bewertung des Unternehmens

Kunden*innen und Investoren*innen achten verstärkt auf die Innovationsfähigkeit von Unternehmen. Unternehmen mit einer hohen Innovationskraft haben im Markt eine größere Reputation. Zugleich erzielen sie höhere Bewertungen bei Investoren*innen, die vor allem an künftigen Entwicklungen von Unternehmen interessiert sind.

  • Vorteil 10: Leichtere Einhaltung von Vorschriften und anderen relevanten Anforderungen

ISO 56002 ist ein Managementsystem aus der „ISO-Familie“. In Bereichen wie dem Qualitätsmanagement nach ISO 9001:2015 oder dem Informationsmanagement nach ISO 27001 spielt die Begrenzung und das Management von Risiken eine wichtige Rolle.

Entsprechend ist es auch bei ISO 56002. Potentielle Risiken sollen frühzeitig bewertet werden. Dazu gehören auch rechtliche Risiken. Das Unternehmen erhöht trotz steigender Risikobereitschaft die Sicherheit bei der Umsetzung. Für viele Unternehmen ist das zunächst widersprüchlich. Doch es gilt, Risikobereitschaft und Risikobewusstsein zu balancieren.

Weitere Informationen

Im Artikel ISO 56002 Innovationsmanagement-System lernen Sie die Bausteine eines Innovationsmanagements nach ISO kennen. Im Artikel ISO-Zertifizierung erfahren Sie, wie Sie Ihr Management-System zertifizieren lassen können.